VERANSTALTUNGEN

Weiterbildung:
Zweite Fachkunde in systemischer Psychotherapie (ST)

Das Institut ist eine nach dem Psychotherapeutengesetz staatlich anerkannte Ausbildungsstätte für den Heilberuf des Psychologischen Psychotherapeuten.

Die Theorieausbildung findet vorwiegend in Andernach statt. Alle praktischen Teile können wohnortnah absolviert werden.

Wenn Sie noch Fragen haben, dann melden Sie sich bei uns. Die Unterlagen dazu entnehmen Sie den nachfolgenden Links.

Weiterbildung nach Weiterbildungsordnung der LandesPsychotherapeutenKammer Rheinland-Pfalz (WBO LPK RLP)

1. Weiterbildungsziel

Ziel der Weiterbildung im Bereich Systemische Therapie ist die Erlangung der Berechtigung zur Führung der Zusatzbezeichnung "Systemische Therapie" nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeiten und Weiterbildungsinhalte.

2. Weiterbildungszeit und Bestandteile der Weiterbildung

2.1. Weiterbildungszeit
Die Weiterbildung dauert mindestens 24 Monate.

2.2. Bestandteile der Weiterbildung
Die Weiterbildung besteht aus folgenden Bestandteilen:

3. Weiterbildungsinhalte

3.1. Theoretische Weiterbildung (mindestens 240 Stunden)
Die theoretische Weiterbildung umfasst die curriculare Vermittlung systemischer Inhalte.

3.2. Praktische Weiterbildung (mindestens 280 Stunden)
Die praktische Weiterbildung umfasst mindestens 280 Behandlungsstunden unter kontinuierlicher Supervision. Psychologische Psychotherapeuten in Weiterbildung führen mindestens jeweils einen Fall im Einzel-, Paar- und Familien-Setting unter begleitender Supervision durch Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten führen mindestens jeweils einen Fall im Einzel- und Familiensetting unter begleitender Supervision durch. Fünf supervidierte Behandlungsfälle sind ausführlich zu dokumentieren. Es ist zu gewährleisten, dass die Weiterbildungsteilnehmer über ein breites Spektrum von krankheitswertigen Störungen, bei denen eine Psychotherapie indiziert ist, eingehende Kenntnisse und Erfahrungen in der Behandlung von Patienten mit Systemischer Therapie erwerben. 

3.3. Supervision (mindestens 70 Stunden)
Mindestens 70 Stunden kontinuierliche Supervision durch von der Kammer anerkannte Supervisoren. Die Supervision dient der Reflexion des diagnostischen und systemischen Handelns sowie der therapeutischen Rolle unter Berücksichtigung des jeweiligen Kontextes. 40 Stunden sollen in der Gruppe stattfinden. Während der Weiterbildung sind zwei Arbeitssitzungen (Live, per Video oder Audio) in der Supervision vorzustellen.

3.4. Selbsterfahrung (mindestens 100 Stunden)
Selbsterfahrung in Systemischer Therapie bezieht sich auf die Herkunftsfamilie sowie die aktuellen Lebens- und Berufskontexte. Die Selbsterfahrung soll ein Familienrekonstruktionsseminar im Gruppensetting (mindestens 25 Stunden) beinhalten.

3.5. Intervision
Mindestens 60 Stunden Intervision. Ziel ist, dass der Weiterbildungsteilnehmer die Erfahrung macht, selbstorganisiert eigene therapeutische Kompetenzressourcen und jene von Kollegen zu mobilisieren.

3.6. Falldarstellung
Fünf supervidierte und abgeschlossene Behandlungsfälle.

4. Zeugnisse, Nachweise und Prüfungen 

Dem Antrag auf Anerkennung der Weiterbildung nach §10 der Weiterbildungsordnung sind beizufügen:

4.1. Zeugnisse und Bescheinigungen über die abgeleistete Weiterbildungszeit und Weiterbildungsinhalte entsprechend §9 der Weiterbildungsordnung 

4.2. Dokumentation von fünf Falldarstellungen

 

Stand 4/2022

Theoretische Weiterbildung

Alle systemischen Seminare des Institutes sind über die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz zertifiziert. Ein Curriculum kann individuell zusammengestellt werden. Die theoretische Weiterbildung sollte folgende Inhalte umfassen: 

1. Systemisches Basiswissen (60 Stunden)

  1. Wissenschaftstheoretische und epistemologische Positionen, Systemwissenschaftliche Grundlagen, Kybernetik 2. Ordnung, Synergetik, Autopoesis, Chaostheorie, Theorie sozialer Systeme, Konstruktivismus
  2. Geschichte der Familientherapie/Systemischen Therapie, familientherapeutische/systemische Schulen/Ansätze, Schnittstellen zu anderen therapeutischen Richtungen
  3. Zirkuläre Perspektive (z. B. Selvini-Palazzoli, Boscolo, Cecchin), strukturelle Perspektive (z. B. Minuchin, Haley, Guntern), lösungs- und ressourcenorientierte Perspektive (z. B. de Shazer), strategische Perspektive (z. B. Haley, Weakland), mehrgenerationale Perspektive (z. B. Boszormeny-Nagy, Stierlin), narrative Perspektive (z. B. White), wachstumsorientierte, erlebnisaktivierende Perspektive (z. B. Satir, Bosch. Whitaker), dialogische Perspektive (z. B. Anderson)
  4. Einbeziehung von gesellschaftlichen und institutionellen Kontexten

2. Systemische Diagnostik (20 Stunden)

  1. Systemische Modelle für die Beschreibung und Erklärung psychischer, psychosomatischer und körperlicher Störungen und Symptome, von Konflikten und Problemen, von kommunikativen Mustern, Beziehungsstrukturen, Verarbeitungs- und Bewältigungsformen, Ressourcen und Lösungskompetenzen
  2. Risiko- und Schutzfaktoren
  3. Indikationen und Kontraindikationen

3. Therapeutischer Kontrakt (20 Stunden)

  1. Therapeutische Grundhaltung: Allparteilichkeit, engagierte Neutralität, Zirkularität, Neu-gier/empathisches Interesse, Wertschätzung/Respekt
  2. Gestaltung von Therapiekontext und -prozess: Indikations- und Kontextklärung, Aufbau, Entwicklung, Beendigung einer therapeutischen Beziehung, Kooperation mit Patienten, deren Angehörigen sowie mit anderen relevanten Akteuren im sozialen Kontext des Patienten, Anerkennung und Förderung der systemeigenen Ressourcen des Patienten, Reflexion der Rolle als Therapeut und des Arbeitskontextes

4. Systemische Methodik (140 Stunden)

4.1 Vermittlung und Training systemischer Methoden und Techniken, die auf den (in 1. beschriebenen) theoretischen Grundannahmen der Systemischen Therapie beruhen:

a. Techniken auf der Grundlage zirkulärer Methoden:

• Zirkuläres Interviewen/zirkuläres Fragen
• Hypothesenbildung
• Allparteilichkeit/engagierte Neutralität
• Abschlusskommentar/Schlussintervention

b. Techniken auf der Grundlage struktureller Methoden:

• Joining zum Aufbau einer therapeutischen Beziehung
• Strukturanalyse
• Umstrukturieren/Verändern von Koalitionen und Grenzen
• Erstellen von Zielhierarchien
• Hausaufgaben

c. Techniken auf der Grundlage lösungsorientierter Methoden:

• Hypothetische und zukunftsorientierte Fragen
• Ausnahme- und Bewältigungsfragen
• Skalierungen

d. Techniken auf der Grundlage strategischer Methoden:

• Positive Umdeutungen/Reframing
• Symptomverschreibungen

e. Techniken auf der Grundlage mehrgenerationaler Methoden:

• Genogramm
• Photogramm

f. Techniken auf der Grundlage narrativer Methoden:

• Dekonstruktion leiderzeugender Geschichten
• Externalisierungen
• Inneres Parlament
• Therapeutische Briefe

g. Techniken auf der Grundlage erlebnisaktivierender Methoden:

• Genogramm
• Familienskulptur
• Familienrekonstruktion

h. Techniken auf der Grundlage dialogischer Methoden:

• Reflecting Team
• Open Dialog

4.2 Methoden und Techniken in unterschiedlichen Settings und Kontexten
Einzel-, Paar-, Familientherapie, Arbeit mit spezifischen Familiensystemen, Aufsuchende Familientherapie (AFT), Mehrfamilientherapie (MFT), Systemische Therapie bei Trennung und Scheidung, Systemische Therapie zwischen Freiwilligkeit und Zwang, Arbeit in Familien mit Gewalterfahrung, Traumaarbeit in der Systemischen Therapie

    1. Spezifische Methoden und Techniken in der systemischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie: z. B. bei Fütter-, Schlaf- und Schreistörungen, Entwicklungsstörungen, depressiven Störungen, Angst- und Zwangsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit, Dissozialität, Delinquenz, Gewalt, Sucht
    2. Spezifische Methoden und Techniken in der Systemischen Therapie von Erwachsenen: z. B. bei Schizophrenie und schizoaffektiven Psychosen, Depression, Angst- und Zwangsstörungen, somatoformen Störungen, Posttraumatische Belastungsstörungen, Borderline-Syndrom

 

 

Stand 4/2022

Verbindlicher Kostenplan der Weiterbildung ST (PDF)Anmeldeformular (PDF)